zusammengestellt von Nenad Čupić (Stand: Oktober 2020)

 

Nenad Čupić ist Trainer, Coach und Berater für Diskriminierungskritik und Diversitätsorientierte Organisationsentwicklung. Seine Schwerpunkte sind Klassismuskritik, Männlichkeit, Kolonialismus- und Rassismuskritik sowie Weißsein. Er hat für Diversity Arts Culture bereits Workshops zu den Themen Klassismus und Männlichkeit gegeben. Er ist Mitgründer und Leiter der diskriminierungskritischen Beratungsplattform NeuN Consulting, über die er angefragt werden kann.

 

Die Links bieten Impulse für die eigene Recherche zum Thema Klassismus.

Vor einer Backsteinmauer liegen drei rote Herbstblätter

Videos

Die feinen Unterschiede und wie sie entstehen. Pierre Bourdieu erforscht unseren Alltag

Ein Film von Hans Dieter Zimmermann und Peter de Leuw (1983, 43:09 Min.)

Dokumentation des Hessischen Rundfunks über den französischen Soziologen Pierre Bourdieu. Bourdieus Analyse des kulturellen Konsums und des Kunstgeschmacks der Ober-, Mittel- und ‚Volksklasse’ ist anforderungsreich, aber interessant für alle, die ihre eigenen, meist als selbstverständlich aufgefassten kulturellen Vorlieben und Praktiken überprüfen möchten.

Ivana Scharf vom Team MUTIK über Klassismus in der (kulturellen) Bildung

„Was macht das mit einem Menschen, wenn man ein Etikett bekommt, wie beispielsweise ‚Arbeiterkind‘ oder ‚Migrationshintergrund‘? Ich hatte ja schließlich beides", sagt Ivana Scharf, die viele Jahre künstlerisch, als Führungskraft und als Unternehmerin in verschiedenen Bereichen gearbeitet hat. Sie erzählt in diesem Video (2018, 08:10 Min.) von eigenen Klassismuserfahrungen und entscheidenden, selbstermächtigenden Momente in ihrem Leben.

Aladin El-Mafaalani: Womit Bildungsaufsteiger kämpfen

Was bedeutet das Aufwachsen in Armut für betroffene Kinder und weshalb bleibt der benachteiligende Effekt ein Leben lang wirksam? Warum denken und handeln Menschen in Armut und prekären Verhältnissen systematisch anders, als es Menschen in gesicherten Verhältnissen/ in Wohlstand tun? Darüber spricht Aladin El-Mafaalani in diesem Videobeitrag (2014, 06:57 Min.).

Aladin El-Mafaalani über den "Mythos Bildung"

„Öffentlich geförderte Kunst-, Kultur- und Diskussionsangebote finden an Orten statt – in Museen, im Theater – die ziemlich exklusiv sind,“ sagt Prof. Aladin El-Mafaalani. Er erzählt in diesem Video (2020, 04:11 Min.), warum er aufgehört hat, vornehmlich an exklusiven Orten mit privilegierten Menschen zu sprechen, und zeigt, wie es anders geht.

Audio

„Prolls, Assis und Schmarotzer“ Warum unsere Gesellschaft die Armen verachtet

Audio-Beitrag von Sebastian Dörfler und Julia Fritzsche (2016, 58:18 Min.)

Vor dem „faulen Griechen“ kam der „faule Arbeitslose“: Die Bilder von Menschengruppen, die angeblich dem „hart arbeitenden deutschen Steuerzahler auf der Tasche liegen“, werden strategisch als Argument zum Abbau von staatlicher Unterstützung für sozio-ökonomisch Benachteiligte benutzt. Warum entstehen die Bilder und wie wirken sie?

Audiostück: *classism is a heartbreaker*

Ein Audiostück (2011, 04:32 Minuten) von Margret Steenblock und Clara Rosa auf Englisch und Deutsch. Darin werden Beispiele für klassistische Begriffe, Aussprüche und Zuschreibungen gegeben.

 

Klassismus: Die übersehene Diskriminierungsform

Ein Beitrag von Houssam Hamade (2020, 04:02 Min.)

Beim Thema Diversität geht es oft um Nationalität, Geschlecht und Ethnizität. Der Beitrag thematisiert Klassismus und Rassismus in seiner Wechselwirkung und wie Klassenunterschiede durch das deutsche Bildungssystem verstärkt werden.

 

Blogs

CLASS MATTERS. Clara Rosa schreibt über Klassismus

Class Matters ist ein Empowerment-Blog für Leute, die Klassismus erfahren (haben). Die Schreiber_in versteht sich als Poverty Class Academic – also als bildungsbürgertumsferne, unterschichtssozialisierte Akademikerin. Es gibt bislang wenig deutschsprachige Seiten über Klassismus – diese soll eine Ergänzung aus lebensweltlicher – persönlicher – Perspektive sein.“ (Selbstbeschreibung)

Institut für Klassismusforschung

„Das Institut für Klassismusforschung möchte die Forschung und Beschäftigung mit dem Thema Klassismus* voranbringen. Hinter dem Institut für Klassismusforschung ‚verbirgt’ sich eine Gruppe von Working Class/ Poverty Class Academics mit dem Forschungsschwerpunkt Klassismus. Das Institut für Klassismusforschung ist eine Anlaufstelle für Fragen zum Bereich Klassismus, bietet Vorträge an und möchte durch eigene Beiträge die Kritik an Klassismus zur Diskussion stellen. Hierzu wird eine Sammlung von Material wie Literatur, Internetlinks und Filme erarbeitet, gepflegt und öffentlich zugänglich gemacht.“ (Selbstbeschreibung)

Texte

Gegen die da unten

In: an.schläge | Das feministische Magazin | Ausgabe VIII / 2017: Sprache

Sprache ist von Klassismus durchzogen – dem müsse sich auch die Linke endlich stellen und dieser Tatsache etwas entgegensetzen, fordert Brigitte Theißl in ihrem Beitrag über beschämtes Schweigen, Mittelschichtsbildung und klassistische mediale Reportagen über Armutsbetroffene, Wohnungslose, Arbeitsuchende, oder Menschen, die Sozialleistungen beziehen.

Let's talk about: Klassismus.

In dieser Ausgabe (Ausgabe 2014/2) von Migrazine zu Klassismus schreiben verschiedene Autor*innen in kurzen Texten über folgende Themen:

  • Kultur der Respektlosigkeit, das heißt Klassismus beschreibt nicht nur Diskriminierung, sondern auch eine Ideologie der Rechtfertigung.
  • Kritik, die ungehört verhallt. Die Klassismuskritik in queer-feministischen Zusammenhängen hat sich seit 50 Jahren kaum verändert.
  • Klassistische Bildungsbarrieren
  • Die eigene soziale Herkunft bleibt auch in linken Szenen häufig ein Tabu
  • Class Trouble. Wie viel ‚Klasse‘ hat die queer-feministische Praxis?
  • Männliche Abstiegsangst. Zusammenhang zwischen Männlichkeit und Klasse.

Das Theater der feinen Unterschiede

Bücher

Anja Meulenbelt: Scheidelinien. Über Sexismus, Rassismus und Klassismus (1988)

In gut verständlicher Sprache untersucht die weiße, niederländische Feministin Anja Meulenbelt die Zusammenhänge zwischen Sexismus, Rassismus und Klassismus. Sie legt den Finger auf die sichtbaren, aber auch die versteckten Barrieren innerhalb unserer Gesellschaft und entblößt das diskriminierende Verhalten der angeblichen Gerechten.

bell hooks: Die Bedeutung von Klasse. Warum die Verhältnisse nicht auf Rassismus und Sexismus zu reduzieren sind (2020)

Die afro-amerikanische Feministin bell hooks verknüpft einen sehr persönlichen und autobiografischen Zugang gut verständlich mit einer differenzierten und empirisch fundierten Gesellschaftsanalyse und Kulturkritik. Ausgangspunkt sind häufig ihre persönlichen Erfahrungen: als Schwarze Frau aus der Arbeiter*innenklasse („working class“) der Südstaaten der USA und als „Klassenwechslerin“, die sich in einem weißen akademischen Mittelklasse-Umfeld bewegt. Die englische Originalausgabe stammt aus dem Jahr 2000.

Didier Eribon: Rückkehr nach Reims (2016)

Didier Eribon verknüpft autobiografisches Schreiben mit soziologischer Reflexion. Er beschreibt, wie sehr er unter der Homophobie seines Herkunftsmilieus gelitten hat und dass es der Habitus einer armen Arbeiterfamilie war, der es ihm schwer machte, in der Pariser Gesellschaft Fuß zu fassen. Darüber hinaus liefert er eine Analyse des sozialen und intellektuellen Lebens in Frankreich seit den 1950er Jahren und fragt, warum ein Teil der Arbeiterschaft zur rechtspopulistischen Partei Front National übergelaufen ist. Die französische Originalausgabe erschien 2009.

Weitere Bücher zu Klassismus

  • Andreas Kemper, Heike Weinbach: Klassismus. Eine Einführung. Unrast Verlag, Münster 2009.
  • Francis Seeck, Brigitte Theißl (Hg.): Solidarisch gegen Klassismus – organisieren, intervenieren, umverteilen. Unrast, 2020.