Der Datenreport des Deutschen Kulturrats aus dem Jahr 2023 stellt Daten zum Frauenanteil und Gender-Pay-Gap im Kulturbereich zusammen und wertet die Daten sekundärstatistisch aus. Dabei wird Geschlecht binär erfasst – sicherlich auch, weil viele der ursprünglichen Studien nur Zahlen zu Frauen und Männern erhoben haben.

 

Ein zentrales, wenig überraschendes Ergebnis der Untersuchung ist, dass nach wie vor eine deutliche geschlechtsspezifische Segregation der Berufe im Kulturbereich besteht, die mit einem (teilweise enormen) Gender-Pay-Gap verbunden ist. In anderen Worten: In Berufen und Tätigkeitsbereichen, in denen viele Frauen arbeiten, sind die Löhne besonders niedrig und vice versa. Dort, wo Tätigkeiten ein besonders hohes Maß an Kompetenz und Verantwortung verlangen und die Löhne besonders hoch sind, ist der Gender-Pay-Gap besonders groß – was allerdings für andere Branchen neben der Kultur ebenso zutrifft. Verstärkt wird der Pay-Gap darüber hinaus in Bereichen, in denen die Entlohnung individuell vertraglich ausgehandelt wird. Allein in Bereichen, in denen Tarifverträge zum Einsatz kommen, verschwindet er nahezu.

 

Während der Gender-Pay-Gap für alle Wirtschaftszweige 2023 18 % betrug, sind für einzelne künstlerische Sparten im Kulturbereich höhere Zahlen im Report gelistet – auch wenn der Pay-Gap seit der letzten Auswertung 2019 tendenziell rückläufig ist: 

  • In der Berufsgruppe Wort ist der Gender-Pay-Gap von 25 % im Jahr 2019 auf 18 % im Jahr 2023 gesunken.
  • In der Berufsgruppe Bildende Kunst beträgt der Gender-Pay-Gap relativ konstant 28 %.
  • In der Berufsgruppe Musik ist der Gender-Pay-Gap von 25 % im Jahr 2019 auf 22 % im Jahr 2023 gesunken.
  • In der Berufsgruppe Darstellende Kunst ist der Gender-Pay-Gap von 37 % im Jahr 2019 auf 32 % im Jahr 2023 zurückgegangen.

 

Gender-Pay-Gap und Alter

Überraschend ist für die Autor*innen, dass gerade bei den unter 30-Jährigen der Gender-Pay-Gap besonders groß ist, da sie erwartet hatten, dass die Debatten der vergangenen Jahre beim Nachwuchs zu faireren Arbeitsbedingungen führen würden. 

Insgesamt verdienen die unter 30-Jährigen tendenziell allerdings besser als die über 60-Jährigen, was verdeutlicht, wie stark (insbesondere marginalisierte) Kulturtätige von Altersarmut bedroht sind.