Relaxed Performance

rɪˈlækst pəˈfɔː.məns

Relaxed Performance

richtet sich an ein Publikum, das von einer entspannteren Theater- und Veranstaltungsatmosphäre profitiert. Sie will eine Willkommensatmosphäre für Zuschauer*innen schaffen, die beispielsweise unkontrollierbare Geräusche oder Bewegungen machen oder die Schwierigkeiten mit den strengen Regeln in Aufführungsräumen haben: zum Beispiel junge Menschen, Menschen im Autistischen Spektrum, mit Tourette, einer Lernbehinderung oder Menschen, die aufgrund von chronischen Schmerzen mehr Bewegungsfreiheit brauchen. Aber auch schlicht diejenigen, die sich in einer inklusiveren Umgebung wohlfühlen.

Ursprünglich sind Relaxed Performances von der Autismus-Community entwickelt worden, die für sich nach Wegen gesucht hat, um Kino- und Theatervorstellungen barriereärmer zu gestalten. Relaxed Performances haben in den letzten Jahren vor allen im englischen Sprachraum enorm zugenommen. Dabei ist die deutsche Übersetzung „Barrierefreie Vorstellung“ nicht so treffend wie der englische Begriff „Relaxed Performance“. Das Wort „Relaxed“, also entspannt, fasst nämlich das Ziel der Performance besser: Es geht darum, allen, die Schwierigkeiten mit der konventionellen Etikette in Aufführungsräumen haben, die Möglichkeit zu bieten, in einer entspannteren Atmosphäre in den Genuss von Vorstellungen zu kommen. Unter dem deutschen Begriff „Barrierefreie Vorstellung“ wird noch zu häufig die bloße Beseitigung von physischen Barrieren verstanden. Dabei beinhalten Relaxed Performances einen viel umfassenderen Ansatz, kulturelle Vorstellungen zugänglich zu machen.

 

Wie können Relaxed Performances gestaltet werden:

  • Prinzipiell liegt es in der Verantwortung der veranstaltenden Organisation und/oder der Künstler*innen, inwieweit Abweichungen von der konventionellen "Vorstellungsatmosphäre" zugelassen werden. Es ist unbedingt zu empfehlen, auf der Webseite anzukündigen, was Zuschauer*innen mit und ohne Behinderung und Beeinträchtigung erwarten können. Nicht selten ist es das nichtbehinderte Publikum, das sich durch die Anwesenheit von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen gestört fühlt, und damit zu einem für Menschen mit Behinderung unangenehmen Theatererlebnis beiträgt.
  • Licht und Ton können auf die Bedürfnisse der Gäste eingestellt werden, indem starke Lichteffekte und heftige Lautstärken reduziert werden. Manche Künstler*innen wollen sich hier jedoch nicht einschränken. Alternativ können deswegen Hilfsmittel wie Kopfhörer, Ohrstöpsel oder abdunkelnde Brillen verteilt werden. Auf jeden Fall sollte es erlaubt sein, seine eigenen Hilfsmittel mitzubringen. Ebenso ist es sinnvoll, mehr Platz und Liegemöglichkeiten einzuplanen. Da es für einige Menschen schwierig ist, über längere Zeit zu sitzen, brauchen sie insgesamt mehr Platz und größere Abstände zwischen den Sitzgelegenheiten, damit sie sich bewegen können.
  • Über die Möglichkeit, einen ruhigen Raum aufsuchen zu können, werden sich besonders diejenigen Gäste freuen, die stark auf sensorische Reize reagieren, aber nach einer kurzen Erholungspause gerne weiter an der Vorstellung teilnehmen möchten.
  • Eine Ermäßigung oder freier Eintritt für Begleitpersonen, zumindest von Personen mit dem Merkzeichen B im Schwerbehindertenausweis, werden sicherlich als ein Zeichen des ernsthaften Willens gedeutet.
  • Mitarbeiter*innen, die mit dem Publikum in Kontakt kommen, sollten vorbereitet und geschult werden. Das betrifft einerseits den Umgang mit Gästen mit Behinderung, andererseits den Umgang mit Beschwerden von nichtbehinderten Gästen, die das Verhalten der Gäste mit Behinderung möglicherweise als Störung empfinden. Allerdings ist es die Aufgabe der Veranstalter*innen/ der Spielstätte solchen Beschwerden zuvorzukommen, indem vorab über das Angebot von Relaxed Performances auf der Webseite, durch das Kassenpersonal, beim Buchungsvorgang und/oder durch das Abendpersonal vor Ort informiert wird.
  • Auch die Künstler*innen müssen über die verschiedenen Aspekte von Relaxed Performances informiert werden und sich darauf einstellen, dass die Vorstellung eventuell nicht ohne Unterbrechungen verläuft.
  • Eine gut lesbare Beschilderung vor Ort, die Ein- und Ausgänge, barrierefreie Toiletten, Cafés und andere Räumlichkeiten bezeichnet, ist wichtig. Besonders barrierearm ist die Beschilderung, wenn sie auf unterschiedliche sensorische Behinderungen zugeschnitten ist.
  • Last but not least: Nicht jede Vorstellung muss relaxed sein. Aber regelmäßig stattfindende Relaxed Performances, die auf der Website verlässlich angekündigt werden, bauen Vertrauen auf, sprechen sich in der Community herum und tragen zu einer inklusiveren Vorstellungsatmosphäre bei.